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"Der Slow-Tourismus regt Besucher dazu an, Produkte und Dienstleistungen aus der Region in Anspruch zu nehmen"

Slow Tourism setzt auf Reisen mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln sowie auf Aktivitäten, die Natur und lokale Gemeinschaften respektieren. Die Schweiz verfügt über beste Voraussetzungen, um von diesem wachsenden Markt zu profitieren, erklärt Mireille Corger-Lattion, stellvertretende Leiterin des Innotour-Förderprogramms.

Als Reaktion auf den Massentourismus gewann Slow Tourism ab 2020 zunehmend an Bedeutung. Im Mittelpunkt stehen weniger frequentierte Reiseziele und ein nachhaltigeres Reiseerlebnis. Ferien sollen bewusst langsamer gestaltet und durch authentische, naturnahe Erlebnisse bereichert werden. Mit ihren postkartenreifen Landschaften und mehr als 65'000 Kilometern Wanderwegen bietet die Schweiz ideale Voraussetzungen für diese Form des Tourismus. Mireille Corger-Lattion, stellvertretende Leiterin des Förderprogramms Innotour für Innovation im Schweizer Tourismus, erläutert die Stärken der Schweiz in diesem Bereich und zeigt auf, wie Nachhaltigkeit heute in der Tourismusstrategie des Bundes verankert ist.

Wie beurteilen Sie das Potenzial der Schweiz im Bereich Slow Tourism?

Mireille Corger-Lattion: Die Schweiz verfügt über zahlreiche Vorzüge im Bereich des Slow-Tourismus, darunter insbesondere die aussergewöhnliche Qualität ihrer abwechslungsreichen und gut erhaltenen Landschaften, ihre architektonische Struktur und ihr kultureller Reichtum. Viele Ausflüge und Freizeitaktivitäten eignen sich daher hervorragend für den Slow Tourism. Ein weiterer Vorteil ist das gut ausgebaute Verkehrsnetz, das auch periphere Regionen erschliesst, sowie das dichte Netz an Velowegen und Wanderwegen. Der Erfolg des Slow Tourism lässt sich zwar nur schwer messen. Dennoch entsprechen ländliche Gebiete und periphere Alpenregionen mit ihrer attraktiven Naturkulisse diesem Ansatz in besonderem Mass. Nachhaltigkeit ist zudem zu einem wichtigen Entscheidungskriterium für viele Reisende geworden. Slow Tourism entspricht diesem Bedürfnis und dürfte künftig weiter an Bedeutung gewinnen.

Welche wirtschaftlichen Chancen bietet dieser Markt für KMU?

Corger-Lattion: Der Slow-Tourismus regt Besucher dazu an, Produkte und Dienstleistungen aus der Region in Anspruch zu nehmen. Ein grösserer Teil der Tourismusausgaben kommt somit der lokalen Wirtschaft zugute – Restaurants, Handwerkern, landwirtschaftlichen Erzeugern, Reiseleitern und Veranstaltern kultureller Aktivitäten. Durch die Aufwertung ländlicher Gebiete, Wanderwege und sanfter Mobilitätsformen, des lokalen Kulturerbes oder auch des Agrotourismus ermöglicht der Slow-Tourismus KMU ausserhalb der grossen Tourismusdestinationen, eine bestimmte Kundschaft anzusprechen und die lokale Wirtschaft dank authentischer, verantwortungsbewusster und individueller Angebote zu diversifizieren.

Wie fügt sich der Slow-Tourismus in die neue Tourismuspolitik des Bundes ein?

Corger-Lattion: Nachhaltigkeit steht heute im Zentrum unserer Strategie. Unser Ziel ist ein ausgewogener Tourismus, der wettbewerbsfähig und für Gäste attraktiv bleibt und zugleich die Natur sowie die lokale Bevölkerung respektiert. Die neue Tourismuspolitik des Bundes* fördert ausserdem die sanfte Mobilität, die Anpassung an den Klimawandel und den Beitrag der Tourismusakteure zum Klimaschutz. Die Schweiz und ihr Tourismussektor sind vom Klimawandel besonders stark betroffen. Deshalb gilt es zu prüfen, wie sich die Branche an die neuen Bedingungen anpassen kann. Eine Möglichkeit besteht darin, den Ganzjahrestourismus auszubauen, um weniger von den Schneeverhältnissen im Winter abhängig zu sein. Ein über das ganze Jahr verteiltes Angebot trägt zudem dazu bei, die Besucherströme besser zu lenken und den Wechsel zwischen überlasteten Spitzenzeiten und schwach ausgelasteten Perioden zu vermeiden. Für einen nachhaltigeren Tourismus reicht ein Umdenken aufseiten der Reisenden allein nicht aus. Auch die Akteure der Tourismusbranche müssen ihre CO2-Emissionen senken, damit das Netto-Null-Ziel des Bundes bis 2050 erreicht werden kann.

Welche Rolle spielt der Bund bei der Förderung eines langsameren und nachhaltigeren Tourismus?

Corger-Lattion: Das Förderprogramm Innotour, das Innovation und Zusammenarbeit im Schweizer Tourismus unterstützt, übernimmt beispielsweise bis zu 50% der Kosten ausgewählter Projekte. Das Programm richtet sich zwar nicht ausschliesslich an den Slow Tourism, doch rund 70% der geförderten Projekte tragen zur Nachhaltigkeit bei – einem zentralen Pfeiler dieser Form des Reisens. Mit dem Label Swisstainable werden zudem die Nachhaltigkeitsleistungen der Tourismusakteure sichtbar gemacht. So können Reisende leichter erkennen, welche Anbieter diese Werte aktiv umsetzen. Die Strategie "Travel Better" von Schweiz Tourismus verfolgt das Ziel, eine nachhaltige und zugleich erfolgreiche Tourismuswirtschaft zu fördern, die im Einklang mit der lokalen Bevölkerung steht. Mit gezielten Marketingmassnahmen sollen die richtigen Gäste zur richtigen Zeit an den richtigen Ort gelenkt werden.

Welche vom Bund unterstützten Projekte tragen zu dieser Entwicklung bei?

Corger-Lattion: So haben wir beispielsweise das Netzwerk der Schweizer Pärke unterstützt und damit die touristische Entwicklung zahlreicher Naturparks in der ganzen Schweiz gefördert. Ziel ist es, durch den Tourismus eine nachhaltige und umweltverträgliche regionale Wertschöpfung zu schaffen. Auf lokaler Ebene haben wir zudem die Stadt Morges dabei begleitet, ihr touristisches Angebot konsequent auf Nachhaltigkeit auszurichten mit der Gründung eines "Slow Destination". Dazu gehören der Ausbau von Naturerlebnissen, die Förderung der regionalen Gastronomie sowie kulturelle Angebote im Sinne des Slow Tourism. Um die Anbindung peripherer Regionen zu verbessern – eine wichtige Voraussetzung für diese Form des Tourismus –, arbeiten wir ausserdem mit dem Bundesamt für Verkehr zusammen. Gemeinsam mit dem Bundesamt für Kultur und dem Bundesamt für Umwelt werden zudem Sensibilisierungsmassnahmen zu den Umweltauswirkungen des Tourismus sowie Informationskampagnen für Reisende durchgeführt.

*Die neue Tourismusstrategie des Bundes befindet sich derzeit in Ausarbeitung und soll Anfang 2027 vom Bundesrat verabschiedet werden.

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