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4.2.1 Internet-Umfrage des EVD

Die administrative Belastung der KMU in der Schweiz ist seit Jahren ein Diskussionsthema, das je nach Position verschieden beurteilt wird. Um hier eine aktuelle Standortbestimmung zu machen, wurde im Mai 2006 eine internetbasierte Umfrage durchgeführt.

Mehr als 3000 KMU-Manager/-innen haben die Chance wahrgenommen und ihre Meinung zur administrativen Belastung abgegeben. Insgesamt sind die Schweizer KMU mit den Behörden zufrieden. Die administrative Belastung ist nur für sehr kleine KMU unverhältnismässig gross. Insbesondere aus Sicht grösserer KMU sind aber die Verfahren und Vorschriften für Bauvorhaben, für die Mehrwertsteuer, für den Import und Export, für die Arbeitssicherheit sowie für statistische Auskünfte verbesserungswürdig.

Diese nichtrepräsentative Untersuchung ergab folgende Resultate.

Die administrative Belastung kann anhand der Antworten auf drei Arten beschrieben werden:
  1. Die KMU setzen im Durchschnitt 41,3 Stunden pro Jahr und Mitarbeiter/-in ein, um den behördlichen Pflichten nachzukommen.
  2. 40% der KMU empfinden die administrative Last als eher mühsam bis äusserst mühsam. 60% empfinden sie als eher nicht mühsam.
  3. Zu komplizierte Vorschriften tragen am stärksten zur administrativen Belastung bei, gefolgt von umständlichen Verfahren.

Die KMU-Vertreter/-innen haben selbst entschieden, ob sie den Fragebogen ausfüllen wollen oder nicht. Deshalb ist davon auszugehen, dass vor allem KMU mitgemacht haben, die sich für die administrative Entlastung interessieren. Selbst unter diesen eher kritischen KMU ist die Mehrheit (gut 60%) der Meinung, der Behördenverkehr in der Schweiz sei erträglich. Mit gut einer Woche Arbeit pro Mitarbeiter/-in und Jahr ist der Zeitaufwand für die administrativen Arbeiten im Behördenverkehr allerdings bemerkenswert hoch.

Insbesondere die kleinsten KMU mit weniger als vier Mitarbeiter/-innen sind davon betroffen: 40% von ihnen arbeiten mehr als 60 Stunden pro Jahr für den administrativen Behördenverkehr. In grösseren KMU fallen die administrativen Arbeiten weniger stark ins Gewicht.

Die subjektive Empfindung darüber, wie mühsam die administrativen Tätigkeiten sind, hat keinen Zusammenhang mit der Zeit, die ein KMU für diese Tätigkeiten einsetzt. Wer also viel Behördenverkehr auf sich nehmen muss, empfindet dies nicht als mühsamer als jemand, der wenig Behördenverkehr auf sich nimmt.

Die Buchhaltung wird als wenig belastend bewertet, weil rund 30 % der befragten KMU diese Aufgaben an einen Spezialisten ausgelagert haben. Damit entfällt zwar der zeitliche Aufwand, allerdings entsteht ein finanzieller Aufwand. Unterschiede gibt es zwischen den Branchen in der Art der Belastung, nicht aber in der Höhe der Belastung: In der Baubranche beispielsweise sind von Umweltschutz, Lehrlingsbetreuung, Bauvorhaben, Arbeitssicherheit mehr KMU betroffen als im Durchschnitt aller Branchen.

In Branchen mit vielen betroffenen KMU werden Themen wie Baugesuche als weniger mühsam empfunden, als in Branchen mit wenigen betroffenen KMU. Z.B. sind in der Baubranche 72,9% der KMU mit Baugesuchen konfrontiert, in allen anderen Branchen sind es nur 51,4%. Die betroffenen Baufirmen empfinden die administrative Last mit Baugesuchen als etwas weniger mühsam (Median = 6), als die betroffenen KMU aller anderen Branchen (Median = 7).

Bei den Bauvorhaben schlagen die Verfahren am stärksten zu Buche, bei der Mehrwertsteuer dagegen die Vorschriften. Am meisten Zeit verschlingen nach der Beurteilung der KMU Bauvorhaben, die Unternehmensbesteuerung sowie Massnahmen zur Arbeitssicherheit.

Die administrative Belastung hat in den letzten zwei Jahren nach der Meinung einer knappen Mehrheit der KMU eher zugenommen. Knapp 40% der KMU sind der Meinung, die Meldepflichten und die Bewilligungsverfahren seien etwa gleich mühsam wie vor zwei Jahren. Je nach Branche sind bis zu 60% der Meinung, die Belastung habe zugenommen. Nur wenige sind dagegen der Meinung, sie habe abgenommen.

Erste erleichternde Angebote im Internet wie www.kmu.admin.ch, www.zefix.ch haben einen sehr hohen Bekanntheitsgrad. Gut die Hälfte der befragten KMU kennen diese Angebote. Von dieser Hälfte sind über 50% der Meinung, diese Angebote seien für sie nützlich.

Die KMU wünschen sich zur administrativen Entlastung möglichst den Online-Zugang zu allen Formularen sowie möglichst nur eine Anlaufstelle für alle administrativen Belange. Behörden mit ähnlichen Informationsbedürfnissen sollen koordiniert werden. Dies gilt vor allem für diejenigen administrativen Verfahren, bei denen Lohndaten oder andere statistische Auskünfte an verschiedene Stellen mit unterschiedlichen Formularen gemeldet werden wie die Arbeitslosenversicherung, die Unfallversicherung, die berufliche Vorsorge und die Rentenversicherungen. Bei anderen Themen wie beispielsweise der Mehrwertsteuer, der Arbeitssicherheit und dem Umweltschutz beschweren sich die KMU über komplizierte Vorschriften. Bei Bauvorhaben und bei der Beschäftigung von ausländischen Arbeitnehmer/-innen beklagen sie sich vor allem über die mühsame Abwicklung der Verfahren.

Von den mehr als 3000 Befragten haben 1547 KMU-Vertreter/-innen die Untersuchung im Sinne einer Klagemauer wahrgenommen und folgende offene Fragen schriftlich beantwortet:
  • Wie könnten Bund, Kantone und Gemeinden dafür sorgen, dass Ihr administrativer Aufwand geringer wird?
  • Was ist für Sie das mühsamste an der administrativen Arbeit?
  • Was sind für Sie positive Erlebnisse gewesen?
  • Welche Tipps geben Sie dem Volkswirtschaftsdepartement?

Die Antworten wurden wie folgt ausgewertet: Alle Antworten wurden nach Themen sortiert, wobei jeweils zwischen Tipps (Hinweisen auf mühsame Verfahren und Vorschriften) und allgemeinen Hinweisen unterschieden wurde. Die Nennungen wurden ausgezählt. Zusammenfassend lassen sich die Äusserungen wie folgt wiedergeben:


Im Rahmen der EVD-Untersuchung wurden verschiedene andere Schweizer Untersuchungen zum Thema administrative Belastung von KMU hinzugezogen, um Zusatzerkenntnisse aus spezifischen Untersuchungen zu gewinnen. Folgende Referenzuntersuchungen wurden in einer detaillierten Analyse berücksichtigt:

Aus der Untersuchung von Lutz E. Schlange können wir viel über die Lösungsansätze bei den Top 5 Belastungsarten erfahren: Bei Bauvorhaben steht die Verfahrensbeschleunigung im Zentrum. Bei der Mehrwertsteuer schlägt die Strategie der Verfahrensvereinfachung mit rund drei Viertel der Lösungsvorschläge markant oben aus. Beim Import/Export sind die Lösungsansätze Verfahrensvereinfachung und -beschleunigung. Bei den statistischen Auskünften sind die Meinungen über mögliche Lösungsansätze geteilt: Je etwa ein Drittel der Lösungsstrategien entfällt auf die Optionen Reduktion der Eingriffe und Verfahrensvereinfachung, gefolgt von der Option Internetservice einrichten mit 20% der Nennungen. Bei der Arbeitssicherheit sind die Vereinfachung von Verfahren und «weniger eingreifen» die zwei wichtigsten empfohlenen Lösungsstrategien.

Die ausführliche Untersuchung des Gewerbeverbands zur Belastung durch die Mehrwertsteuer zeigt deutlich, dass die Belastung vor allem durch die Zeit entsteht, die ein KMU benötigt, die MwSt.-Vorschriften zu studieren, und weniger durch die Zeit, die es zum Ausfüllen der Formulare braucht. Die Hauptprobleme bei der MwSt. sind 1. Studieren der Vorschriften, 2. Inanspruchnahme des Steuerberaters und 3. Ausfüllen der Formulare. Ein wichtiges Element der Untersuchung war die wahrgenommene Belastung durch die Kontrollaktivitäten der MwSt.-Abteilung. Die Zeit für den Empfang der Inspektoren wird eher als mittel eingeschätzt. Dieses Resultat erklärt sich aus der Seltenheit der Kontrollen. Wenn es ein Unternehmen allerdings mit einer Kontrolle trifft, ist der entstandene Aufwand beachtlich: die Durchschnittsdauer der Kontrollen ist 2-5 Tage.

Die Untersuchung von Chr. Müller hat fünf Auflagenbereiche und ihre zeitliche Belastung für KMU untersucht. Sozialversicherungen, Steuern und Abgaben, Statistiken, Bewilligungsverfahren und Umweltschutzreglemente. Von dieser Untersuchung können wir zusätzlich erfahren, wie sich die zeitliche Belastung pro Monat auf die verschiedenen Themen verteilt: Für Sozialversicherungen investiert ein Schweizer Unternehmen durchschnittlich 19 Stunden, für Steuern und Abgaben 13 Stunden, für Statistiken 1,5 Stunden, für Bewilligungen 16 Stunden und für Umweltauflagen 4 Stunden.

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