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Elmar Mock, einer der beiden Erfinder der Swatch, hat die Firma Creaholic gegründet, die sich auf Innovationsförderung spezialisiert hat. Er spricht über seine Methoden zur Steigerung der Kreativität im Unternehmen.
Warum haben Sie sich aus der Uhrenindustrie zurückgezogen?
Elmar Mock: Nach der Entwicklung der Swatch und der Rockwatch von Tissot merkte ich, dass ich nicht mehr an das Innovationspotenzial des Unternehmens, bei dem ich arbeitete, glaubte. Ich empfand die bürokratische Last als sehr erdrückend und es war für mich an der Zeit, die Welt anders zu erkunden. Nachdem ich alles gründlich auf den Prüfstand gestellt hatte, beschloss ich, mich selbstständig zu machen. Die Firma Creaholic erblickte 1986 in Biel das Licht der Welt.
Was für Dienstleistungen bieten Sie an?
Mock: Wir bieten unseren Kunden ein Innovations-Coaching von A bis Z. Ob jemand ein Produkt verbessern will oder auf der Basis einer Idee etwas Neues entwickeln will - wir sind da, um einen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Das erfolgt über Gespräche, den Austausch von Ideen und schliesslich die Fertigung von Prototypen. In gewisser Weise betreiben wir "brainmaking", also die Umwandlung von Ideen in konkrete Produkte.
Wer sind Ihre Kunden?
Mock: Wir erhalten regelmässig Aufträge von Firmen aus der Medizinindustrie, der Nahrungsmittelindustrie, der Greentech-Branche oder auch der Uhrenindustrie. Unser Kundenkreis reicht von KMU bis zu Grosskonzernen wie Nestlé, Tetra Pak und Bosch.
Mit welchen Arten von Innovation haben Sie zu tun?
Mock: In 90% der Fälle geht es um so genannte disruptive Innovationen, also um ganz neue Produkte. In den übrigen 10% leisten wir Unterstützung bei der Verbesserung oder Veränderung eines bereits existierenden Produkts.
Wird der Begriff Innovation heute nicht für alles Mögliche verwendet?
Mock: Nehmen wir einmal das iPhone: Für mich stellt die erste Version eine echte disruptive Innovation dar, während ich die folgenden Versionen eher als "Neuerungen" bezeichnen würde. Ein paar Veränderungen einzubringen oder ein Produkt, das bereits auf dem Markt ist, abzuwandeln, gehört meiner Meinung nach nicht in den Bereich Innovation. Die Vermischung der Begriffe Neuerung und Innovation ist weit verbreitet. Innovation heisst, dass man einer Idee oder einer Inspiration die Möglichkeit gibt, in die Welt zu kommen. Man begibt sich auf Entdeckungsreise, erforscht neue Wege, bevor man ein Pflichtenheft erstellt und das Produkt entwirft. Man benötigt eine Strategie und muss innerhalb der Firma die Personen festlegen, die sich in den Dienst der Forschung begeben sollen. Es ist wichtig, immer im Kopf zu haben, dass Geld allein für Innovation nicht ausreicht.
Wie kann man denn die Kreativität in einem Unternehmen fördern?
Mock: Man muss den Kreativen Zeit geben und ihnen gestatten, sich zu besinnen und inspirieren zu lassen, zugleich aber konkrete Ergebnisse erwarten und einen gewissen Druck aufrechterhalten. Zwar ist es sehr wichtig, einen Teil seiner Kräfte auf die Zukunft des Unternehmens zu richten, doch natürlich muss man auch darauf achten, die bestehenden Produkte regelmässig zu optimieren und die laufenden Geschäfte zu regeln. Es ist gar nicht leicht, dieses Gleichgewicht zu finden, aber so kommt man zu Ergebnissen. Ich bin zudem für eine Durchmischung der Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Talenten - Ingenieuren, Denkern, Erfindern, Entwicklern. Eine Vielzahl von Perspektiven ist gut für das globale Denken. Ich ziehe häufig die Metapher der Inzucht heran, um meinen Ansatz zu rechtfertigen: Je mehr man die Individuen in einer Gruppe mischt, desto besser stehen die Chancen, dass sie sich weiterentwickelt.
Welche Fehler sollte man vermeiden?
Mock: Ohne Unterstützung und Sicherheit in der Kreativabteilung ist es unmöglich, ein interessantes Niveau an Innovation aufrechtzuerhalten. Die Firmenleitung muss die Suche nach neuen Ideen also immer fördern. Doch wie ich schon sagte: Das heisst nicht, dass man den Kreativen komplett freie Hand lassen sollte. Das ist alles eine Frage der Dosierung und der richtigen Balance.
Was kann man tun, um kreative Menschen zu stimulieren?
Mock: Der Umgang mit innovativen Menschen, solchen, die Ideen haben, ist in zwischenmenschlicher Hinsicht oftmals nicht leicht. Alles hängt wesentlich von der persönlichen Beziehung und dem Personalmanagement ab. Damit sich Mitarbeiter dieses Typs entfalten und ihre Ideen einbringen können, ist es unerlässlich, transparent zu sein, viel zu kommunizieren und sie bestmöglich zu informieren. Diese Art des Managements unterscheidet sich relativ stark von dem, was man gewöhnlich tut.
Was würden Sie jungen Unternehmerinnen und Unternehmern heute raten?
Mock: Aus meiner Sicht sind drei Punkte von Bedeutung. Erstens muss man selbst zu 100% von seinem Projekt überzeugt sein, gewissermassen zutiefst daran glauben. Dann ist es unerlässlich, seine Begeisterung mitteilen zu können, um Investoren und mögliche Gesellschafter zu überzeugen. Und schliesslich muss man in der Lage sein, Risiken einzugehen.Ende Inhaltsbereich