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"Alle unsere Mitarbeiter waren aufgerufen, noch mehr zu leisten"

Die im Jura ansässige kleine Ingenieursfirma SCR fertigt den mit Abstand grössten Teil ihrer Produkte für den Export. Gérard Crevoiserat, Mitglied des Verwaltungsrates, beschreibt, vor welche Herausforderungen der starke Franken das Unternehmen mit seinen zwölf Beschäftigten stellt.

Um ein Know-how zu entwickeln, das in der ganzen Welt gefragt ist, bedarf es keiner grossen Konzerne. In der Schweiz gibt es zahlreiche KMU, die trotz ihrer geringen Grösse einen Grossteil oder sogar die Gesamtheit ihrer Produkte ins Ausland verkaufen. Da sie weniger gut abgesichert sind als die grösseren Unternehmen, sind sie umso stärker von der Krise des starken Franken betroffen.

Ein Beispiel dafür ist SCR, ein KMU mit zwölf Beschäftigten mit Sitz in Bonfol (JU), nicht weit von der Grenze zu Frankreich und Deutschland. Das 1984 gegründete Familienunternehmen hat sich auf Steuerungssysteme für Hightech-Verfahren zur Wärmebehandlung spezialisiert, die in der Industrie eingesetzt werden. Seine Kunden, die in der ganzen Welt verstreut sind, arbeiten in so verschiedenen Bereichen wie der Luftfahrt, der Automobilindustrie, der Biomedizin oder der Uhrenindustrie.

Wodurch zeichnet sich Ihr Angebot im Bereich der Wärmebehandlung aus?

Gérard Crevoiserat: Unsere Firma bietet hochpräzise Lösungen an, die massgeschneidert gefertigt und sofort einsatzbereit geliefert werden. Die "swiss made"-Qualität unserer Produkte und unser Know-how haben bereits einen extrem anspruchsvollen Kundenkreis, insbesondere aus der Medizintechnik und der Luftfahrt, überzeugt. Unsere grösste Stärke ist, dass wir uns an die spezifischen Bedürfnisse unserer Kunden anpassen. In der Schweiz haben wir keine echten Konkurrenten.

Wie hoch ist der Anteil der Einnahmen aus dem Ausland?

Crevoiserat: Es gab Zeiten, in denen wir bei 94% waren. In der Schweiz gibt es kaum Schwerindustrie und unsere zwei grössten Kunden sitzen im Ausland. Unsere Leistungen für die Schweizer Kunden haben eher mit Wartungsproblemen oder mit Projekten mittlerer Grösse zu tun. In normalen Zeiten haben wir einen Exportanteil von 70%.

In welche Länder exportieren Sie Ihre Technologien?

Crevoiserat: Wir arbeiten hauptsächlich mit Unternehmen aus der Europäischen Union zusammen. Unsere grössten Märkte sind Deutschland, Frankreich und Italien. Vom Rest entfallen rund 30% auf Vietnam, die USA, Australien, China und in geringerem Umfang auf Südamerika.

Hat die Entwicklung des Wechselkurses Ihre Exporte stark beeinflusst?

Crevoiserat: Wir sind um 30 bis 50% teurer geworden als die Konkurrenz und unser Auftragsbuch hat sich von einem Tag auf den anderen geleert. In diesem Zustand blieb es dann über mehrere Monate. Es war ein riesengrosses Glück, dass wir langfristige Verträge für hochkarätige Projekte hatten, durch die wir unsere Produktion am Laufen halten konnten, während die laufende Nachfrage quasi gleich Null war.

Welche Massnahmen haben Sie ergriffen?

Crevoiserat: Wir waren gezwungen, einige Mitarbeiter im Sommer 2011 auf Kurzarbeit zu setzen, und zwar bis Januar 2012. Rasch kam es zu einer unumgänglichen Verkleinerung der Margen. Wir mussten uns von unseren inländischen Lieferanten verabschieden, um wettbewerbsfähig zu bleiben, und haben in der Eurozone eingekauft. Und nicht zuletzt waren alle unsere Mitarbeiter aufgerufen, noch mehr zu leisten. Einige von ihnen haben sogar die technischen Aspekte ihres Berufs links liegen lassen, um sich ganz der Akquise und Kundenwerbung zu widmen. Insgesamt war das Jahr extrem ruhig, doch dank unserer Produkte im oberen Segment konnten wir über die Runden kommen. Es ist uns gelungen, unseren Qualitätsstandard aufrechtzuerhalten, doch wir mussten dafür viele Opfer bringen.

Sind Sie mit dem aktuellen Wechselkurs von CHF 1,20 zufrieden?

Crevoiserat: Er ist auf lange Sicht wahrscheinlich nicht tragfähig. Sich aus dem Ausland beliefern zu lassen, bringt einen grösseren logistischen Aufwand mit sich: Es sind häufiger Retouren und Anpassungen mit unseren Lieferanten erforderlich und man muss dabei gut aufpassen. Hinzu kommt, dass sich einige Konzerne in der Eurozone inzwischen weigern, ihre Produkte an Schweizer Firmen zu verkaufen.

Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Unternehmens?

Crevoiserat: Ich bin optimistisch. Aber meiner Meinung nach wenden wir noch zu viel Energie allein dafür auf, mit der wirtschaftlichen Lage zurechtzukommen. Dadurch nimmt unsere Innovationsfähigkeit ab, genau wie unsere Rücklagen. Wenn der Wechselkurs nicht wieder auf CHF 1,30 oder 1,35 kommt, werden viele Unternehmen in unserer Branche und unserer Region nur mit Mühe überleben können. Ich bedaure sehr zu sehen, wie sich diese Krise auf unsere zentralen Werte Innovation, Qualität und Know-how auswirkt.
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Zuletzt aktualisiert am: 17.10.2012

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Zur Person/Firma

Gérard Crevoiserat ist Verwaltungsratsmitglied beim Familienunternehmen SCR und leitet dort die Abteilung Forschung und Entwicklung. Er hat an der Hochschule für Ingenieurwissenschaften und Verwaltung des Kantons Waadt (HEIG) 2007 sein Diplom mit Spezialisierung auf Mechatronik erworben. Er stammt gebürtig aus dem Jura und ist 31 Jahre alt.


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