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Berufe der Zukunft, die die Schweiz bitter nötig hat

Trotz der Krise und der Arbeitslosigkeit werden sich viele Unternehmen in den kommenden Jahren einem Arbeitskräftemangel gegenüber sehen, besonders im Gesundheits- und im Ingenieurswesen.

Die Zahl ist unglaublich: 85′000. So viele zusätzliche Beschäftigte müssen bis 2020 im Schweizer Gesundheitswesen gefunden werden. 60'000, um diejenigen zu ersetzen, die in Rente gehen, und 25'000, um den erhöhten Bedarf zu decken, der infolge der alternden Bevölkerung entsteht. Diese Zahlen stammen vom Gesundheitsobservatorium, das bereits im Februar 2009 Alarm schlug.

Trotz der Wirtschaftskrise gibt es Branchen, die einen Personalmangel ankündigen. "Der Mangel an Gesundheitspersonal wird alle Funktionen im medizinischen Bereich betreffen, vom Arzt über die Labortechniker bis zur Krankenschwester", betont Grégoire Evequoz, Generaldirektor des Büros für Aus- und Weiterbildung (OFPC) des Kantons Genf. Ebenso wird es infolge der höheren Lebenserwartung einen grossen Bedarf an Betreuungs- und Pflegepersonal geben.

Das Gesundheitswesen ist von der Krise nicht betroffen, sondern weist eine beeindruckende Dynamik auf. Gemäss einem Bericht des Bundesamtes für Statistik (BFS) ist die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen zwischen 1995 und 2005 um 27,9% gestiegen, in den übrigen Wirtschaftszweigen dagegen nur um 4,2%. Dieser Trend könnte sich festigen, zumal der Personalmangel auch die Biotechnologie und die Pharmazie betrifft, die einen enormen Bedarf an medizinischer Forschung haben.

Ein weiterer Beruf der Zukunft ist der des Ingenieurs. Gemäss einer Studie der Boston Consulting Group, die von der Schweizerischen Vereinigung Beratender Ingenieurunternehmungen (usic) in Auftrag gegeben wurde, fehlen der Schweiz derzeit zwischen 3'000 und 6'000 Ingenieure. Und diese Zahl dürfte weiter steigen, da der Ingenieurmangel die meisten westlichen Länder betrifft. "In fünf bis zehn Jahren wird es im Maschinen- und Industriesektor einen echten Notstand geben", warnt Grégoire Evequoz.

Diese Einschätzung teilt auch Mario Marti, Geschäftsführer der usic: "Es gibt ein echtes Problem. Alle grossen Unternehmen haben zehn unbesetzte Ingenieursstellen. In der Vergangenheit konnte die Schweiz die Zuwanderung aus Deutschland nutzen, um die Lücke zu füllen. Heute kommen weniger Deutsche zu uns und der Mangel an Ingenieuren ist stärker zu spüren. Das Ergebnis: Diplomingenieure sind selbst in der Krise gefragt und haben auf dem Schweizer Arbeitsmarkt sehr gute Aussichten."

Das Problem: "Mit Ausnahme von 2009 haben die Ingenieursschulen Schwierigkeiten bei der Anwerbung von Studierenden", bemerkt Mario Marti. "Der Beruf leidet unter einem schlechten Image bzw. darunter, dass er gar kein klares Image hat. Niemand weiss so richtig, was Ingenieure machen. Aber alle nutzen die Früchte ihrer Arbeit. Wasserversorgung, Verkehrswesen, Mobiltelefone ... all das ist die Arbeit von Ingenieuren!"

Um den Nachwuchs auf diesen Beruf aufmerksam zu machen, hat die usic das Portal "Ingenieure gestalten die Schweiz" lanciert, das die verschiedenen Facetten des Ingenieurberufs vorstellt. "Ziel ist es, den Jugendlichen Lust auf den Beruf zu machen", erklärt Mario Marti. "Dafür haben wir die Leistungen der Schweizer Ingenieure anhand von 33 imposanten Bauwerken illustriert und zusätzlich kleine Texte, Filme, Interviews und Fotos auf die Seite gestellt."

Der Ingenieurmangel wird sich auch im Verkehrswesen bemerkbar machen. "Die Menschen werden künftig immer mobiler sein", so die Prognose von Grégoire Evequoz. "Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, müssen mehr Kräfte für den Verkehrssektor rekrutiert werden, und zwar auf allen Ebenen."

In der Informatikbranche herrscht schon jetzt weltweit Mangel. Laut Angaben von MSEmploy, der Website des Karrierenetzwerks von Microsoft, fehlen auf der ganzen Welt insgesamt etwa eine Million Informatikerinnen und Informatiker. In der Schweiz kündigte der Verband der Informatik-Ausbilder Anfang 2009 ein Defizit von 8'000 IT-Fachleuten an. "Das Problem bei diesen Zahlen ist, dass man sie nicht überprüfen kann", gibt Christophe Andreae, ehemaliger Präsident des Groupement romand de l'informatique (GRI) und Gesellschafter des auf die Rekrutierung von Informatik-Experten spezialisierten Büros JRMC, zu bedenken. "Jedes Mal, wenn wir die Zahlen nennen, werden wir als Lügner hingestellt, weil es ja arbeitslose Informatiker gibt."

Doch der Mangel ist durchaus real. "Selbst in der Krise, die wir durchleben, sind Leute mit Spitzenfähigkeiten rar. Die Unternehmen haben Schwierigkeiten, sie zu finden, und die Nachfrage dürfte in den nächsten Jahren noch weiter steigen. Denn inzwischen läuft vom Geldautomaten über den Kühlschrank bis zum Mobiltelefon nichts mehr ohne Informatik, weshalb qualifizierte Fachkräfte gebraucht werden. Darüber hinaus gehen viele in Rente, sodass zusätzlich Stellen frei werden."
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Zuletzt aktualisiert am: 07.04.2010

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