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Wissenschaftliche Studien belegen, dass sich Gefühle nicht immer so auf die Motivation und Produktivität auswirken, wie man sich das landläufig vorstellt.
Wut
Séverine ärgert sich über ihren Kollegen Nicolas, weil er vergessen hat, ein entscheidendes Treffen zu organisieren. Sie glaubt, dass er das absichtlich getan hat und sie dadurch einen wichtigen Kunden verloren hat. Sie wird rot, fängt an zu zittern und spürt, wie die Wut in ihr aufsteigt.
Gleich nach Freude ist Wut das zweithäufigste Gefühl am Arbeitsplatz. Wir empfinden Wut, wenn wir den Eindruck haben, dass uns jemand bei einem wichtigen Projekt oder Ziel Steine in den Weg legt. "Wir beobachten, dass 70% der Menschen ihre Wut zum Ausdruck bringen, aber die Hälfte von ihnen spricht nie mit dem betroffenen Kollegen darüber. In dem Fall kann Wut zu einem Konflikt führen und Beziehungen gefährden", macht Tanja Wranik deutlich.
Wenn man richtig mit der Wut umgeht, so kann sie aber auch eine wichtige Quelle für Veränderung und Fortschritt sein. "60% der Menschen, die sich getraut haben, mit dem beschuldigten Kollegen zu sprechen, konnten das Problem regeln. Mehr noch, 22% sind der Meinung, dass sich das Arbeitsverhältnis dadurch verbessert hat."
Wenn Séverine aus unserem Beispiel mit Nicolas spricht, wird sie vielleicht feststellen, dass er die Dringlichkeit ihrer E-Mail vom Vorabend nicht erkannt hat und es nicht seine Absicht war, ihr zu schaden. Der Wutausbruch wird ihnen die Möglichkeit geben, ihre Kommunikation zu verbessern.
Freude
Bei der Beurteilung am Jahresende erhält Séverine von ihren Vorgesetzten Komplimente für ihre gute Arbeit. Sie bekommt eine Gehaltserhöhung, was sie sehr freut.
In der Berufswelt ist Freude meist eine Folge von Erfolg oder guten Neuigkeiten. "Entgegen allen Erwartungen zeigen unsere Umfragen, dass Freude das häufigste Gefühl bei der Arbeit ist. Und das ist eine gute Nachricht, denn Freude ist eine wichtige Quelle für Kreativität", so die Psychologin weiter.
Doch gute Laune führt auch dazu, dass man sich zurücklehnt. "Dieser Gemütszustand regt nicht dazu an, sich das Leben kompliziert zu machen; mehr als die Hälfte der Beschäftigten gehen Schwierigkeiten aus dem Weg, wenn sie glücklich sind. Das Ergebnis kann eine oberflächlich erledigte Arbeit sein." Zu viel Optimismus kann auch dazu führen, dass man bei einem Entscheidungsprozess gewisse Risiken übersieht oder sich unrealistische Ziele setzt.
Es besteht also das Risiko, dass sich unsere Séverine nach der Gehaltserhöhung weniger anstrengt. Bis ihr Chef wieder einmal einen Wutausbruch bekommt...
Angst
Der Abteilungsleiter verkündet, dass die Verkaufsziele nicht erreicht wurden. Daher wird der Jahresbonus der Angestellten niedriger ausfallen als zuvor. Auf diesee Neuigkeit stellt sich bei den Angestellten ein Gefühl von Angst ein.
Angst ist verbunden mit dem Gefühl, dass man die Ereignisse nicht mehr unter Kontrolle hat. "Sie ist deshalb problematisch, weil es ein sehr beklemmendes Gefühl ist: Unsere Untersuchungen zeigen, dass 60% der Mitarbeitenden ihre Angstgefühle zum Ausdruck bringen und 80% darüber reden. So kann schnell die ganze Firma davon erfasst werden." Angst lähmt und demotiviert: Man kann sich leicht ausmalen, dass sie sich negativ auf die Produktivität auswirkt.
"Wenn man nur geringe Angst verspürt, hat sie dagegen positive Folgen. Sie sendet die Botschaft "Achtung: Gefahr", die bei einer Entscheidung zu erhöhter Vorsicht führt. Und auch das Teamgefühl wird gestärkt, da man sich mitteilt und zusammenhält: 50% der Beschäftigten sagen, dass sie sich besser fühlen, nachdem sie über ihre Probleme gesprochen haben."
Im genannten Beispiel wird die Ängstlichkeit der Angestellten, die durch die Ankündigung des Chefs hervorgerufen wurde, bewirken, dass diese weniger Risiken eingehen und die Einzelheiten ihrer Verkaufsoperationen besser kontrollieren. Sie kann auch den Informationsfluss innerhalb der Belegschaft verbessern, was positive Effekte auf die Arbeit haben wird.
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